Wofür?

Wofür übe ich Yoga? Genauer gesagt, die Asanas?

Manche Yogarichtungen beinhalten einen großen Teil Atemübungen und Meditation, ergänzt durch sanfte Körperübungen. Die Yogarichtung allerdings, die ich übe, beinhaltet einen großen Teil Körperübungen – nicht unbedingt nur sanft und ergänzt durch Atemübungen.

Mit entsprechender Einstellung kann man darin ein perfektes Trainingsprogramm sehen. Kreislauf, Kraft, Koordination, Muskulatur. Ich kann mir durch dieses Yoga einen perfekten Körper antrainieren, gewinne Beweglichkeit und besitze definierte Muskulatur. In der Tat sind die meisten Menschen beeindruckt von meiner Fitness und meinem trainierten Körper. Das ist die Oberfläche. Aber das ist nicht das, was Yoga ausmacht. Und es ist nebenbei gesagt nicht der Grund, warum ich Yoga betreibe.

Mit anderer Einstellung kann ich auch nur den spirituellen Teil des Yoga betrachten. Kann Mantren singen, chanten, meditieren, atmen. Kann bunte Batiktücher um meinen Hals schlingen, weite und sackförmige Hosen tragen, mich mit indisch anmutendem Schmuck behängen. Es gibt so viele Industrien, die den Trend Yoga bedienen. Ich kann hier ganz aus dem Vollen schöpfen.

Versteht mich nicht falsch, ich möchte niemandem auf die Füße treten. Was ich hier beschreibe, ist ein Klischee. Yoga ist mittlerweile so in der allgemeinen Wahrnehmung präsent, dass es auch ein Lebensgefühl beschreibt. Und innerhalb der Yogawelt gibt es so viele verschiedene Richtungen, Schwerpunkte, Ansätze… Jeder kann sich heraussuchen, was ihm gefällt. Und gefällt nichts, dann wird ein neuer Trend geschaffen. Ein neuer „Guru“ geboren.

Ich für meinen Teil möchte keinem Trend hinterherlaufen, habe es auch noch nie getan. Wichtig ist mir Ehrlichkeit mir gegenüber. ICH muss meinen WAHREN Grund kennen, warum ich z.B. Yoga übe oder auch irgendetwas anderes mache. Ich trage es nicht nach außen, nur damit ich von Anderen auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen werde. Ich behalte es für mich und lebe es. Was dann nach außen dringt, dringt eben nach außen.

Der Grund für unser Tun muss von Innen kommen. Aus unserer Seele. Das Leben ist kein Film oder eine Castingshow – ich spiele keine Rolle und muss auch niemanden beeindrucken.

Wie also soll ich mich dann entscheiden, wenn es darum geht, was ich esse? Wir sind heute in der glücklichen Situation, dass wir diese Frage im Kopf entscheiden können. Wir können alles jederzeit haben, wirklichen Hunger kennen wir nicht mehr. Das Essen ist keine Notwendigkeit mehr, sondern ein netter Zeitvertreib. Wir können damit unseren Status ausdrücken oder uns auch einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlen. Ich kann entscheiden, ob ich mich einfach nur ernähre oder ob ich daraus eine große Sache machen möchte. Will ich zur Masse gehören oder will ich mich herausheben, etwas Besonderes sein?

Es passiert also im Kopf. Aber habe ich mir die Frage gestellt, warum ich eigentlich esse?

Na ja, ich habe sonst Hunger, deswegen. Kurzfristig gesehen, akzeptiere ich diese Antwort natürlich. Aber worauf basiert meine Entscheidung, was ich dann in diesem Fall esse? Auf einem Ideal, einem Trend, einer Empfehlung irgendeiner Autorität, meinem Geldbeutel?

Ein großer Meister hat mal gesagt, dass die Körperübungen des Yoga (auch) einen ganz banalen Zweck erfüllen: Nämlich dass man sich auch im Alter von 90 Jahren noch selbst die Schuhe zubinden kann.

Also worauf basiere ich meine Entscheidung, was ich esse in unserer heutigen Überflussgesellschaft? Viele Ernährungstheorien und –trends versprechen uns Gesundheit, Schönheit und ewige Jugend, wenn wir sie nur strikt befolgen. Das wäre genauso, als würde uns Yoga versprechen, die Erleuchtung zu erreichen, sobald wir anfangen, uns mit den Yogaübungen zu beschäftigen.

Was stimmt also von all diesen Versprechungen?

Wer hat recht inmitten all dieser Trends und „Autoritäten“?

Woran halte ich mich?

Oder sollte die Frage lauten: Was will ICH?

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