Mehr Leichtsinn bitte

Wie also soll ich mich ernähren, wenn ich Yoga übe?

Nun, die Antwort ist relativ einfach: Die Frage ist falsch.

Es gibt keine Regeln, kein „Sollen“. Es gibt nur Erfahrung – Ausprobieren, falsch machen, korrigieren. Wir sehnen uns so nach Regeln, Vorschriften, Eingrenzungen. Auch dies gibt uns wieder ein Gefühl des Dazugehörens. Ich/Wir und die Anderen. Befolge ich die Regeln, gehöre ich dazu und werde akzeptiert. Ich finde ein „Zuhause“ und Gemeinschaft.

„Ja, aber soll ich nicht vegetarisch leben als Yoga-Übender?“ Sicher, wenn dir danach ist. Wahrscheinlich wird es sowieso irgendwann so kommen, dass du automatisch vegetarisch leben willst, wenn du einige Jahre Yoga geübt hast.

„Soll ich mich nach dem Ayurveda richten und nur noch ayurvedisch kochen? Das kommt ja schließlich aus Indien und gehört zum Yoga.“ Ja, wenn du dich damit gut fühlst, dann iss ayurvedisch.

Und wenn du das nicht willst, dann ist es auch kein Beinbruch. Wir werden nicht automatisch bessere Menschen oder bessere Yogis oder schneller erleuchtet oder was auch immer, wenn wir uns an Dogmen halten oder vermeintlichen Ansprüchen genügen wollen. Das ist die einzige Regel.

Wir werden irgendwann merken, was unser Körper will. Und wenn wir nicht darauf hören, dann werden wir auch das merken. Falsche Nahrung, ob in der Zusammensetzung oder in der Menge oder in der Häufigkeit, führt dazu, dass wir uns unwohl fühlen. Auch wenn wir dies im normalen Alltag ignorieren, so werden wir es verstärkt fühlen, wenn wir Asanas üben.

Habe ich am Abend zuvor Alkohol getrunken, und ich rede hier von einem oder zwei Gläsern Wein, dann werde ich es beim Üben merken. Ich werde das Üben nicht genießen können.

Habe ich zu viel oder zu schwer gegessen, dann werden mir gewisse Übungen sehr schwer fallen. Ich werde mich allgemein sehr steif fühlen. Umkehrhaltungen, Drehungen werden unmöglich gemacht. Zwinge ich mich dazu, dann habe ich im besten Fall hinterher Kopfschmerzen.

Leichtes und nahrhaftes Essen, ausreichend Abstand zwischen den Mahlzeiten und ausreichend Abstand zwischen der Mahlzeit und dem Üben. Dies ist das Patentrezept, das ich weitergeben kann. Aber wie das Essen genau aussehen soll, das ist individuell verschieden.

Ich habe für mich herausgefunden, dass ich am besten üben kann, wenn ich längere Zeit nichts gegessen habe. Wenn der erste Anflug von Hunger sich meldet, dann ist im Grunde genommen die beste Zeit zum Üben. Ich bin dann sehr stark, anstrengende Übungen kann ich mit mehr Leichtigkeit absolvieren, mental bin ich ebenfalls stärker. Die Stimme, die immer sagt: „Komm, lass es jetzt gut sein…“ meldet sich nicht oder nur sehr spät. Ich kann zwei Stunden üben und spüre keinen Hunger. Sobald ich aber das Üben beendet habe, meldet sich der Magen spätestens nach 20 oder 30 Minuten. Für mich gilt die Faustregel, dass ich sehr bescheiden esse, bis ich nachmittags oder abends übe. Danach gibt es eine „richtige“ Mahlzeit, die Hauptmahlzeit des Tages. Damit fühle ich mich wohl. Und mein Wohlbefinden wird in großem Maße davon bestimmt, wie meine Übungspraxis an diesem Tag war. Ich rede nicht vom Erreichen irgendwelcher Ziele oder davon, wie meine „Performance“ heute war, sondern davon, ob ich die ganze Zeit mit Widerständen mental oder physisch kämpfen musste oder ob ich mit allen meinen Bestandteilen, physisch, mental, emotional, intellektuell, etc. EINS war. Das gibt mir körperliches Wohlbefinden und innere Zufriedenheit, Ruhe, ein Gefühl des Glücks und Verbundenheit mit allem auf der Welt. Und ich gehe abends zufrieden ins Bett und freue mich über die Schönheit des Daseins.

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2 Gedanken zu “Mehr Leichtsinn bitte

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