Was will der Kopf, was der Körper?

Ich ernähre mich seit langer Zeit „gesund“. Ich bin mit 14 Vegetarierin geworden und seit ich selbst bestimmen konnte, was ich esse bzw. koche, esse ich zu 90% vegan. Ich gehe selten essen, war noch nie bei McDonalds, Fertiggerichte kamen noch nie und kommen auch zukünftig bei mir nicht in die Küche, ich esse keine Produkte aus weißem Mehl usw., usw.

Wen erstaunt das, was er gerade gelesen hat? Niemanden? Wie sich die Zeiten ändern. Früher war ich ein Exot, wurde für ein wenig seltsam gehalten aufgrund meiner Ernährungsweise, musste dafür regelrecht kämpfen und mich ständig dafür rechtfertigen.

Niemand hält einen heute für sonderbar, wenn man sich nach den neuesten Trends (vegan, clean eating, Rohkost) ernährt. Aber sogar vor dieser Trendwelle hat meine Umgebung gemerkt, dass ich selten krank war. Der Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit war schnell hergestellt, da das damals durchaus schon bekannt war, nur eben selten praktiziert wurde. Und oft wurde ich gefragt, wenn jemand krank war, was man denn essen soll, um gesund zu werden.

Ehrlich, die Antwort darauf wissen alle. Man muss den Menschen nicht nochmals erzählen, was sie eigentlich schon wissen. Die Antwort, die ich immer auf diese Frage gebe, ist: Lass alles weg, was der Körper nicht haben will. Die Reaktion auf diese Antwort: Verwirrung.

Es ist so einfach. Nicht der Körper will Chips vor dem Fernseher essen. Es ist unser Kopf. Nicht der Körper will Schokolade haben, wenn wir uns unglücklich fühlen, sondern unser Kopf. Fangen wir an zu denken und uns zu fragen, warum wir etwas Bestimmtes essen wollen. Wir werden auf erstaunliche Antworten kommen. Welche Rolle spielt unser Kopf bei der Entscheidung, wie wir uns ernähren? Unsere Erziehung, die Gesellschaft, das Land, die Kultur, die Klimazone, in der wir leben?

Warum essen wir Dinge, die unserem Körper oder zumindest unserem Wohlbefinden schaden? In vollem Bewusstsein dessen verschlingen wir diese Dinge in Mengen. Und dann wollen wir wissen, was wir essen sollen, damit wir gesund werden?

Welche Wertschätzung habe ich mir selbst gegenüber, meinem Körper, meiner emotionalen Stabilität, meiner mentalen Klarheit? Weiß ich zu schätzen, was mir die Natur da bei meiner Geburt gegeben hat? Weiß ich dieses Werkzeug wirklich zu nutzen, zu pflegen, geschickt einzusetzen? Bin ich intelligent genug, meinen Körper gut zu ernähren, mit Stoffen, die er benötigt? Oder erliege ich der Bequemlichkeit, dem Diktat der Geschmacksknospen, der emotionalen Ersatzbefriedigung, dem „Zwang“ der Gesellschaft?

Selbstverständlich kann der Körper auch bei schlechter Ernährung überleben. Darauf ist er seit langer Zeit programmiert. Aber bei dem heute verfügbaren Angebot an natürlichen Lebensmitteln frage ich mich, warum man austesten muss, wie lange der Körper eine schlechte Ernährung toleriert.

Sicher, hin und wieder mal etwas Ungesundes essen bringt niemanden um. Aber trotzdem ist das etwas, was der Körper nicht haben will. Bin ich gesund, kann der Körper das tolerieren und ich werde keine Schäden davontragen. Aber er nutzt Energien und Reserven und bringt Kraft auf, um das Unerwünschte unschädlich zu machen und loszuwerden. Wo bitte ist dann das Vergnügen, das ich beim Essen einer Portion Pommes empfinden soll? Diese Energie, die der Körper braucht, um unbenötigtes Zeug zu eliminieren, die brauche ich eigentlich, um die schönen Dinge des Lebens genießen zu können.

Es gibt viele Dinge, die ich meinem Körper nicht antun möchte. Andere freuen sich vielleicht darüber. Fleisch bekommen auf jeden Fall nur meine Katzen.

 

Auf dem Bild ist übrigens – für alle, die es nicht erkennen – eine Mistel zu sehen. Misteln sind Schmarotzer, ernähren sich vom Baum, den sie als „Wohnsitz“ haben. Der Baum lebt trotzdem weiter, denn Schmarotzer bringen ihren Wirt nicht um, sonst sterben sie selber. Aber der Baum gibt ständig etwas von seiner Lebenskraft an die Mistel ab.

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