Wage Neues!

Eine Eigenschaft, die wir vielleicht alle haben, ist das Gefühl, dass wir sowieso nichts ändern können. Bequemlichkeit gepaart mit dem Gefühl der Selbstunwirksamkeit ist ein übelriechendes Getränk. Wir fühlen uns als Opfer der Umstände und versuchen, irgendwie zu überleben. So lange es uns gut geht, gaukeln wir uns vor, dass auch alles gut ist. Wir können uns mit der Situation arrangieren.

Dabei haben wir es jeden Augenblick in der Hand, unser Leben in eine andere Richtung zu lenken.

Das „da draußen“ ist so überwältigend. Wir werden überschwemmt mit Geschehnissen, mit denen wir persönlich nichts zu tun haben und nichts zu tun haben wollen. Und doch beeinflussen sie unser Leben massiv, entweder tatsächlich physisch oder zumindest mental. Wir können uns kaum dagegen wehren und fühlen uns irgendwie ausgeliefert. Zurück bleibt das Gefühl, dass wir selber überhaupt nichts ausrichten können. Wir können nur warten, dass die Welle uns überschwemmt und schlimmstenfalls mitreißt.

Das Gefühl der Selbstunwirksamkeit ist ein lähmendes und depressiv machendes „Ding“. Kommt noch unsere allgegenwärtige Bequemlichkeit dazu oder der Gedanke, dass wir dafür jetzt im Moment keine Zeit haben und irgendwann später vielleicht mal drüber nachdenken wollen, dann ist es wirklich so: Wir können sowieso nichts ausrichten. Wir müssen es über uns ergehen lassen.

Wir geben damit ein großes Stück Verantwortung ab. Verantwortung für uns selbst und unser Leben. Für die Erfüllung unsere Träume und Wünsche. Für den Mut, einen neuen Weg zu gehen. Für Veränderungen, die wir vornehmen können, um unser Leben neu auszurichten.

Auch wenn wir persönlich nichts gegen Konflikte, Kriege, unfähige Politiker oder Pandemien ausrichten können, so ist das doch kein Grund, das TUN, den MUT, die BEWEGLICHKEIT, die FREUDE völlig aufzugeben.

Fangen wir doch einfach an, etwas zu tun, was uns Freude macht. Wo das hinführt, wie der Weg aussieht, was genau das Ziel ist, wie wir dort hinkommen… das sehen wir, wenn es so weit ist. Es gibt doch diesen schönen Spruch: Der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Wir wollen aber wissen, wie viel Schritte wir gehen müssen, wo wir landen oder wo wir wie abbiegen müssen, was uns unterwegs begegnet, ob wir genug Geld dabei haben, versichert sind gegen einen Beinbruch, was die anderen dazu sagen, ob unser Reiseführer ganz sicher kompetent ist, und ob das Ziel die ganze Anstrengung eigentlich lohnt.

Manchmal sind die Gedanken daran schon so überfordernd, dass wir es doch lieber sein lassen. Beim Yoga taucht ein ähnliches Phänomen auf: Wir denken zu viel, wenn wir eine schwierige Position einnehmen wollen. Einige Teilnehmer der Gruppe überlegen lange, wie sie die einzelnen Körperteile bewegen sollen und wann, oder welche Körperteile was nicht tun sollen, dass sie gar nicht mehr dazu kommen, die Übung auch auszuführen. Die anderen Teilnehmer sind aus der Position bereits wieder herausgekommen, während die eine Person noch überlegt, wie sie das am besten machen soll.

Einfach machen.

Machen, erfahren, korrigieren.

Nicht denken.

Wir haben immer die Möglichkeit, aus unseren Erfahrungen zu lernen und haben damit für zukünftige Situationen eine korrigierte Reaktion parat. Wenn wir unserer inneren Stimme folgen, dann tut sich immer ein Weg auf. Nicht immer der, den wir uns ausgemalt haben vor Antritt der Reise. Nein, ein viel interessanterer, spannenderer Weg. Und manchmal geschehen auf diesem Weg auch Dinge, die gar nicht geschehen können – Wunder eben.

Es müssen nicht immer drastische Veränderungen in unserem Leben sein, die wir vornehmen „müssen“. Es reicht doch, selbst die kleinen Dinge mit Energie und Leben zu füllen. Die kleinen Dinge, die wir geringschätzen und vernachlässigen, sind wichtige Zutaten für unsere Zufriedenheit im Leben. Wenn wir viele kleine Dinge „sammeln“ bzw. verändern, die uns wertvoll sind und die wir mit positiver Energie füllen, dann wird der Anteil der Zufriedenheit in unserem Leben steigen.

Jedes Detail, das wir zum Positiven verändern, wird neue positive Dinge nach sich ziehen.

Aus kleinen Dingen werden größere Dinge und irgendwann wird die kritische Masse erreicht. Die Masse, die es braucht, damit ein Kippen von „eher negativ oder unzufrieden“ zu „eher positiv oder zufrieden“ stattfindet. Und danach läuft es eh wie von allein. Das gilt in jedem Bereich unseres Lebens. Im Alltag, in der inneren Einstellung zu bestimmten Situationen, im Yoga, in der Ernährung.

Wie viele Menschen haben ihre Neujahrsvorsätze, von nun an gesünder zu essen, bereits wieder aufgegeben, weil das Ziel einfach zu groß und unkonkret war? Die Aufgabenstellung war falsch. Die Frage hätte lauten müssen: Welches klitzekleine Detail kann ich verändern? Was ist das kleinste Teilchen, das so winzig ist, dass es mich nicht juckt, wenn ich es verändern muss? Diese Vorgehensweise erscheint den meisten Menschen als unsinnig. Es bringt ja nichts, nur ein winziges Ding zu verändern. Merkt man ja nichts von. Sieht ja auch keiner. Merke ja nicht mal ich. Ja, aber das ist der Trick. Es tut nicht weh, man hat trotzdem etwas verändert, das Neue wird zur Gewohnheit, das nächstgrößere Teilchen ist dann an der Reihe, verändert zu werden. Und mit jedem Teilchen werden wir sicherer, selbstbewusster, erfahrener, motivierter, gesünder. Es dauert zu lange? Ja, und? Wir haben zwanzig, dreißig, vierzig Jahre ungesund gelebt. Und plötzlich haben wir es eilig? Wir sind noch nie im Leben länger gelaufen als zwei Minuten und wollen gleich mit dem Marathon starten?

Wenn du keinen Zucker mehr essen willst, dann werde nicht zum Anti-Zucker-Fundamentalisten, sondern fange mit der kleinsten Einheit an. Wo kannst du zuerst den Zucker weglassen? Geht es vielleicht auch ganz ohne Süße, ist also ein Zuckerersatz gar nicht nötig? Wo stört es dich am wenigsten, wenn dieses eine spezielle Produkt nicht mehr (so) süß schmeckt (z.B. Tee)?

Wir kommen mit Veränderungen nicht gut klar. So ist der Mensch seit jeher. Das Schwierige daran ist nicht, dass die Ergebnisse der Veränderungen problematisch sind, sondern das Aufraffen, das Entscheiden, das Durchhalten. Es ist einfacher, etwas Gewohntes beizubehalten, keine Frage. Manchmal aber fragt das Leben nicht, ob wir lieber das Neue oder das Alte haben wollen. Wir werden gezwungen. Nimm also das tägliche Verändern von winzigen Details in deinem Leben als Übung, als Training, quasi als Yoga-Klasse. Du wirst von den einfachen zu den schwierigen Übungen fortschreiten und bald werden die fortgeschrittenen Positionen nichts Unmögliches oder Unlösbares sein, sondern du wirst dich darauf freuen. Leben bedeutet Veränderung.

 

„Du wirst dein Leben niemals verändern, solange du nicht etwas veränderst, das du täglich tust. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in deiner täglichen Routine.“
John C. Maxwell

 

 

 

 

 

 

 

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