Über mich

Mit 14 fand ich Leseratte im Buchladen einen dicken Wälzer über etwas für mich damals völlig Unbekanntes: „Das grundlegende Lehrbuch über die Atemschule des Yoga“. Faszinierend. Ziemlich weit vorne im Buch gab es den Hinweis, dass man erst die Yogastellungen lernen sollte, bevor man sich an die Atemübungen macht. Also legte ich das erste Buch zur Seite und bestellte mir das zweite mit den „Anweisungen für Yogahaltungen“.

Mein Leben lang hatte ich mich viel bewegt, viel Sport gemacht. Aber nichts war vergleichbar mit dem, was ich in diesem Buch fand. Yoga ist kein Sport – aber man arbeitet mit dem Körper. Das war der Köder, der mich dazu brachte, mit diesen merkwürdigen Positionen anzufangen. Ich war gefangen.

Niemand, den ich kannte, machte Yoga. Es gab keine Zeitschriften darüber, es gab kein Internet damals, niemand kannte Yoga. Ich war die einzige. Jedenfalls dachte ich das damals, in diesem kleinen Ort, in dem ich aufwuchs.

Das änderte sich einige Jahre später, als ich in eine große Stadt umzog. Yoga war keine Geheimlehre – es gab Yogaschulen und viele andere Menschen, die das gleiche machten wie ich!  Natürlich nahm ich Yoga-Unterricht.

Heute bin ich selber Yogalehrerin. In einer Zeit, in der Yoga fast Mainstream geworden ist.

Mein Interesse an Ernährung kam ungefähr zur gleichen Zeit auf wie meine Entdeckung des Yogabuches. Aber das Üben von Yoga vertiefte in mir noch den Wunsch – vielmehr das Bedürfnis – meinen Körper gesund zu halten und das erste Mittel dazu war die Ernährung.

Ich wurde Vegetarierin, gegen alle Widerstände von außen. Ich studierte in meiner freien Zeit ernährungswissenschaftliche Bücher. Es gab damals nicht so viele Bücher über Ernährung. Es war noch nicht trendig, vegan zu sein oder Rohkost zu essen. Es war schon sehr exotisch, sich zu weigern, Fleisch zu essen… Es war die Zeit, in der die Öko-Bewegung so richtig an Schwung gewann. Vollkorn und biologische Lebensmittel waren die Schlagwörter. Man wurde als Müsli beschimpft. Gut, ich war noch zu jung, um als „Müsli“ beschimpft zu werden, aber meine Umgebung hat nicht verstanden, warum ausgerechnet ich so anders sein musste als die anderen. Man wollte mich dann eher auf die Weide zu den Pferden und Kühen schicken, wenn man meiner „Zicken“ überdrüssig war.

Diese beiden Leidenschaften, Yoga und Ernährung, bestimmen mein Leben bis heute. Es sind die zentralen Interessen in meinem Alltag.

Wie verbindet man die beiden? Für welche Art der Ernährung entscheidet man sich heute, wo es so viele verschiedene Arten von gesunder Ernährung gibt? Wo man so viele Möglichkeiten hat, sich nach bestimmten Vorstellungen und Ideologien zu ernähren? In unserem reichen Land, in dem wir nicht mehr nur essen, um satt zu werden, sondern um uns einen bestimmten Status oder eine Individualität zu „er-essen“. Wir können alles haben, alles essen, was wir wollen. Aber was wollen wir genau?

Meine Gedanken dazu – und ich möchte betonen, dass es nur meine Gedanken sind – schreibe ich hier auf. Für jeden, den es interessiert, das zu lesen. Ich freue mich über Kommentare – überhaupt ist es langweilig, Monologe zu halten.

Marion


 

 

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